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Ansichts-/Maximumkarten

Gestaltung: Marco Trüeb, Basel. © Post CH AG

Die Schweiz als Seefahrernation

Erste Anregungen zur Schaffung einer Schweizer Flagge kamen um 1860 von Auslandschweizern im Mittelmeerraum. Sie wollten nicht mehr unter Fremdflagge fahren. Dieser erste Anlauf war jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Als sich Preussen und Frankreich widersetzten, beugte sich der Bundesrat dem Druck. Ausserdem war damals noch umstritten, ob ein Binnenstaat eine eigene Flagge führen dürfe. Erst an einer Konferenz des Völkerbundes im Jahr 1921 in Barcelona wurde das Flaggenrecht auch für Staaten ohne Meeresküste anerkannt. Dieses Recht wurde 1958 in der Genfer Konvention über die Hohe See und 1982 auch im Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen bestätigt.

Die SCL Bern mit einer Tragfähigkeit von bis zu 12 000 Tonnen auf hoher See.
© Enzian Ship Management AG

Während des Zweiten Weltkrieges war der Bund auf Schiffsraum für die wirtschaftliche Versorgung des Landes mit lebenswichtigen Gütern angewiesen. Es gelang dem damaligen Kriegstransportamt, 15 Schiffe unter griechischer Flagge zu chartern. Nachdem im Oktober 1940 Italien Griechenland angriff, konnten die Schiffe das Mittelmeer nicht mehr befahren: Die Geburtsstunde der Schweizer Flagge war gekommen. Der Bundesrat beauftragte den Basler Professor Rudolf Haab mit der Erarbeitung einer gesetzlichen Grundlage für die Schaffung einer eigenen Flagge zur See. Innerhalb von sechs Monaten war das Projekt abgeschlossen. Der Bundesrat verabschiedete es im April 1941 im Notrecht und ermöglichte damit noch im selben Monat die Einflaggung des ersten maritimen Handelsschiffes SS CALANDA.
Die schweizerischen Handelsschiffe werden nicht von der Eidgenossenschaft, sondern von privaten Reedern betrieben. Sie stehen weiterhin unter dem Schutz der Schweiz, deren Flagge sie führen. Dafür ist der Bund berechtigt, die Schiffe in Krisen- und Notzeiten in den Dienst der Landesversorgung zu stellen. Nicht Wettbewerb oder Prestige sind also der Grund für unsere Flagge: Einzig die Sorge für die wirtschaftliche Landesversorgung in Not- und Krisenzeiten hat die Schweiz dazu veranlasst, sich eine eigene Flagge zuzulegen.

Dr. Reto Dürler, Chef Schweizerisches Seeschifffahrtsamt (SSA)

Die Karten können als Ansichts-
oder Maximumkarten bestellt werden.