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Die Kunst der Reduktion

Für die vier Sondermarken «Tierisch um die Welt» konnte ein Plakatkünstler mit internationalem Renommee gewonnen werden. Claude Kuhn ist ein Meister der Reduktion – und der überraschenden Farbgebung.

Claude Kuhn, Jahrgang 1948, war nach einer breitgefächerten Ausbildung während 40 Jahren Grafiker, Art Director und Ausstellungsgestalter im Naturhistorischen Museum Bern. Daneben arbeitete er als freischaffender Gestalter und machte unter anderem mit Sportplakaten (Boxen, Fechten) Furore. Kuhns Arbeiten werden regelmässig international ausgestellt. Die Liste seiner Auszeichnungen und Preise ist eindrücklich. Für ihn selbst sind diejenigen, die er an verschiedenen internationalen Poster-Triennalen erhalten hat, am wichtigsten. Besonders gefreut hat ihn 1992 die Wahl zum Sportkünstler des Jahres.

Die Sujets der Sondermarken zeigen exotische Tiere aus aller Welt auf eine Kuhn-typische, plakative und überraschende Weise. Dabei ist die Ellipse das verbindende Element. Sie symbolisiert beim Erdmännchen ein Wohnloch und Wolken, beim Flamingo eine Pfütze, bei der Giraffe eine Baumkrone sowie beim Zebra die Steppe und seinen Mist – selbstverständlich in Gold, denn dieses Zebra ist ein «Goldzebra».

Jürg Freudiger

Claude Kuhn im Gespräch

Herr Kuhn, wie war es für Sie als Plakatkünstler, etwas derart Kleines wie eine Briefmarke zu schaffen?

Die Gestaltung einer Briefmarke unterscheidet sich nicht wesentlich von der Arbeit für ein Plakat. Gerade weil mir das Reduzieren und das Weglassen von Unwesentlichem wichtig ist, fiel mir das leicht. Wissen Sie, ein Plakat muss auch als Briefmarke funktionieren – und umgekehrt! Die Lesedistanz ist zwar geringer, aber ich will ja keine Lupe nehmen müssen.

Tatsächlich erkennt man Ihre Handschrift auch hier auf Anhieb. Gibt es weitere typische Elemente ausser der Reduktion?

Typisch für mich ist auch die Farbgebung. Nur weil sich das Zebra in einer Steppe bewegt, muss ich ja nicht unbedingt Brauntöne verwenden. Grau als neutrale Mitte zwischen Schwarz und Weiss geht auch. Hinzu kommt die Ellipse als Running Gag.

Wen möchten Sie mit den Marken ansprechen?

Alle! Ich bin der Meinung, dass eine gute Arbeit sowohl im Kindergarten wie auch im Altersheim funktionieren muss. Das ist mein Credo. Tiere sind dazu natürlich prädestiniert – und gute Farben auch.

Das Tier in mir Mensch, wie viel Tier steckt in dir? Tier, was ist anders an dir? Wer darf sich «Krone der Schöpfung» nennen? Eine Ausstellung im Dählhölzli und im BärenPark Bern geht diesen Fragen nach – mit Geschichten über Hundekot und Tagespresse, über Entenflossen und Frostschutzmittel, über Biberzähne und unsere Dritten sowie über Leopardenschlaf und Schlafcoaching. Mit diesem Projekt beschreitet der Tierpark Bern neue Wege unter Zoos. Denn in solchen Gegenüberstellungen entsteht Überraschendes, Queres, Humorvolles und Inspirierendes – einfach tierisch! Ein Projekt von Claude Kuhn, Simon Haller (Expoforum) und dem Tierpark Bern Bis 31. Dezember 2019, tierpark-bern.ch