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Viel mehr als Folklore

Schweizer Trachten haben eine lange Tradition und zeichnen sich durch eine ausserordentliche Vielfalt aus. Sie sind ein wertvolles Kulturgut unseres Landes. Vier Marken als Zusammendruck im Sonderblock zeigen dies an historischen Beispielen eindrücklich auf.

Ein ausserordentlich reicher Bestand an historischen Trachten findet sich im Schweizerischen Nationalmuseum. Er basiert auf Schenkungen der Trachtenforscherin Julie Heierli. Aus dieser Sammlung hat das Philatelie-erfahrene Berner Atelier Müller Lütolf vier Exemplare in Szene gesetzt. Von links nach rechts:

Lötschental: eine Tracht, wie sie im Walliser Lötschental bis weit ins 19. Jahrhundert hinein getragen wurde. Kennzeichnend sind die nur bis zum Ellbogen reichenden roten Ärmel; darunter wurde ein Hemd getragen. Zur Tracht gehört typischerweise ein Kopfkranz. Die Schürze besteht aus einem bedruckten Baumwollstoff.

Fribourg: eine Prozessionstracht aus dem 19. Jahrhundert. Typisch ist neben den aufgebauschten Ärmeln auch das grosse Amulett, die «Ginge». Die Tracht kommt in Düdingen, Tafers und Heitenried noch heute im Rahmen der Tradition der «Kränzlitöchter» zum Einsatz; dabei wird sie von unverheirateten Frauen zusammen mit reich verziertem Kopfschmuck, dem «Schapel» getragen.

Valle Verzasca: eine Sonntagstracht, wie sie auch im Maggiatal Anfang des 19. Jahrhunderts getragen wurde. Wie alle historischen Trachten orientierte sie sich an der damals aktuellen Mode. Dementsprechend typisch die hohe, unter der Brust ansetzende Empire-Taille.

Engiadina: Diese Tracht stammt aus dem späten 18. Jahrhundert. Da auch sie an die Mode der damaligen Zeit angelehnt ist, wird sie als Bünder «Rokokotracht» bezeichnet. Zu der bis heute hergestellten Kleidung gehört als Kopfbedeckung das «Capadüsli». Die Trachtenwelt der Region wird von der Bünder Trachtenvereinigung dokumentiert und gepflegt.

Bildquelle Briefmarken: Schweizerisches Nationalmuseum

Jürg Freudiger

Die Trachtenerneuerung

Die von Julie Heierli (1859–1938) in ihrem fünfbändigen Werk «Die Volkstrachten der Schweiz» dokumentierten Kleidungsstücke stammen aus der Zeit vor der sogenannten Trachtenerneuerung: In den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurden die Trachten des Landes von der Schweizerischen Trachtenvereinigung erneuert und standardisiert.