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Nicole Jara Vizcardo, Anglikon

Wenn Digitales analog wird

Der Wandelbarkeit dieser Briefmarke sind keine Grenzen gesetzt. Denn jeder, der sie betrachtet, sieht sich selbst. Und das ist keineswegs die einzige Besonderheit dieses aussergewöhnlichen Projekts.

Die Selfie-Briefmarke verdankt ihre Entste­hung einer Zusammenarbeit der Schweizerischen Post mit der Studienvertiefung Visuelle Kommunikation der Zürcher Hochschule der Künste. «Brief vs. E-Mail» war das Thema, über das die engagierten Studierenden – angehende Bachelorabsolventen, Durchschnittsalter 22 – von den Projektleitenden orientiert wurden. Der Gestaltungsprozess der acht Zweierteams und sieben Einzelkämpferinnen und -kämpfer wurde durch Dozierende begleitet. Schliesslich wurden aus den Entwürfen die zehn besten ausgewählt und in einer letzten Runde das Sieger­design erkoren: der Entwurf von Nicole Jara Vizcardo.

Mit dem Aufkommen des E-Mails sei der Brief digitalisiert worden, heisst es im Konzept der jungen Gestalterin. Davon habe sie sich inspirieren lassen und überlegt, wie sie etwas Typisches aus der digitalen Welt auf das Format der Briefmarke übertragen könne. Das Selfie als im Moment gewonnenes und auf elektronischem Weg übermitteltes Selbstporträt schien ihr dabei am überzeugendsten. Es widerspiegle den Zeitgeist und sei somit im wahrsten Sinn eine Reflexion unserer Gesellschaft.

Realisiert wurde diese ausserordentliche Briefmarke mit einer Silberglanzfolie. Auf dem Bogen der Sondermarke ergänzen sich 20 Einzelmarken zu einem Tablet, auf dem sich das Konterfei des Betrachtenden spiegelt – das perfekte Sinnbild einer Symbiose aus digitaler und analoger Wirklichkeit.

Jürg Freudiger