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Raphael Volery, Zürich

Der himmlische Hof

Die Grundsteinlegung für den Bau des Berner Münsters erfolgte 1421 und zog sich über Jahrhunderte hinweg. Einen bis heute eindrücklichen Meilenstein bildete die Fertigstellung des Chorgewölbes im Jahr 1517.

Die Jahreszahl 1517 wird in einer Inschrift an der Chorseite des Triumphbogens genannt, zusammen mit dem Namen des Werkmeisters: Peter Pfister.

Auf zwei Gewölbekappen ist auch die ­Signatur des Malers Nikolaus Manuel Deutsch zu sehen, der für die farbige Ausgestaltung des Chorgewölbes verantwortlich war. Seit 2014 wird dieses Werk, das den «himmlischen Hof» darstellt, ­restauriert. Dabei hat sich herausgestellt, dass sich die Farbfassungen von 86 überlebensgrossen Heiligenfiguren, die die Schlusssteine des wunderbaren Netzgewölbes zieren, praktisch im Originalzustand von 1517 befinden: mit Inkarnaten und Kleidern aus kostbaren Pigmenten, Vergoldungen und Lüstrierungen. Mit dieser Konstruktion hat Peter Pfister den sogenannten Dreiachtelschluss, die zwei schmalen anschliessenden Joche sowie die beiden weiten westlichen Abschnitte zu einer räumlichen und architektonischen Einheit verflochten. Der Heiligenhimmel über dem Berner Chor gehört heute zu den grössten und wertvollsten Beständen spätmittelalterlicher Bauplastik in Europa.

Eine der besagten Heiligenfiguren ziert die erste der beiden Sondermarken: der heilige Sebastian, römischer Soldat und christlicher Märtyrer. Das zweite Sujet bietet einen Blick auf das Zentrum des Netzgewölbes mit dem Berner Wappen.

Jürg Freudiger