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Kurzlebige Schönheiten

Von «Naturkunst» spricht man, wenn eine Landschaft zum Arbeitsfeld des Künstlers wird. Ein besonders virtuoser Vertreter dieser Kunstrichtung ist der Zuger Polygraf, Künstler und Globetrotter Ivo Moosberger. Vier seiner kurzlebigen Werke sind jetzt als Sondermarken verewigt.

Butterblumenringe, Tessin

«Ein heftiges Gewitter entlädt sich über meinem Zelt. In den Regenpausen husche ich aus dem Zelt, pflücke Butterblumen und lege sie zu Ringen aus. Ständig wird die Arbeit durch Regen, Hagel und Blitze unterbrochen. Dann krieche ich jeweils in mein Zelt zurück, während draussen die Blümchen vom Regen getränkt werden. Erst am dritten Tag ist der Himmel wolkenlos, und die gelben Butterblumenringe leuchten in der Morgensonne.»

Passo Campolungo, Tessin

Weidenrutenkugeln, Zug

«Direkt am Seeufer knicke ich dünne Zweige von einer mächtigen Weide ab. Die Ruten verflechte ich zu Ringen. Anschliessend verwebe ich diese zu Kugeln und lege sie auf Steine im See. Dauernd werden sie von Wellen ins Wasser gespült. Im Laufe der Zeit ver-wandeln sich die saftig grünen Kugeln in dürre Gebilde.»

Zugersee, Zug

Steinspirale, Uri

«Nach einer windig-kalten Nacht wecken mich die Sonnenstrahlen und lassen den Schnee während des Vormittags schmelzen. Auf einem vom Gletscher geschliffenen Fels lege ich rostrote Steine zu einem fossil-ähnlichen Gebilde aus. Murmeltiere pfeifen aus der Ferne.»

Unterhalb Gross Windgällen, Uri

Steinbogen, Graubünden

«Am frühen Abend erreiche ich die Passhöhe. In einem natürlichen Wasserbecken baue ich einen Steinbogen. Immer wieder bricht er zusammen. Meine aufgeweichten Füsse sind eiskalt geworden, der Rücken schmerzt und ich fluche lauthals über mich und die Steine, die den Bogen ungenügend stützen. Dann, nach knapp vier Stunden, steht der kleine Steinbogen endlich. Hungrig entfache ich ein Feuer, koche Reis mit gesammelten Pilzen und falle erschöpft in den Schlaf.»

San-Bernardino-Pass, Graubünden

Jürg Freudiger

Ivo Moosberger wurde 1974 in Zug geboren. Schon in seiner Kindheit war er fasziniert von der Natur, ihren Farben, Formen und Mustern. Auch die durch die Jahreszeiten bedingten Veränderungen inspirierten ihn. Um diese möglichst intensiv zu erleben, zog er jede freie Minute mit Zelt und Rucksack hinaus in die Natur. Mindestens im Zweijahrestakt herrscht beim Polygrafen, Künstler und Globetrotter Aufbruchstimmung. Dann ist er monatelang mit einfachsten Mitteln unterwegs. In tagelanger Arbeit baut er seine Naturkunstwerke, im Wissen darum, dass diese nur von kurzer Lebensdauer sein werden. Seine Werke sind losgelöst von jeglichen gesellschaftlichen Zwängen, frei von materiellen Werten, jedoch voller Improvisationskraft und Kreativität.

Weitere Informationen: naturschauspiele.ch

Ein 500 Jahre alter Aufruf
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